It´s a state of mind…

Bleeder-Kit: Was gehört rein? Umfrageauswertung

Bei den Packplänen scheiden sich die Geister. Für uns, eines der meist diskutiertesten ist das IFAK und daraus folglich auch die abgespeckte Version des Bleeder-Kits. Über Letzteres haben wir eine Umfrage durchgeführt… Unter Zivilisten am Schießstand wird man mit seinem IFAK, Blow-Out-Kit oder Bleeder-Kit sowieso schief angesehen. Der Grund ist die mangelnde bis fehlende Waffenkultur hierzulande. Unter Seinesgleichen kommt es oft zu kontroversen Diskussionen über den Inhalt, die Trageweise und Taschenform. Warum eigentlich? Ziel der Umfrage war es nicht, den Definitionen zu folgen, sondern die Community zu hören.

 IMG_20140601_013047_-825412414Vollwertiges IFAK am Schießgürtel

Natürlich ist die Umfrage nicht repräsentativ. Die Angaben konnten nicht auf den Wahrheitsgehalt nachgeprüft werden, also ob die/der Beantwortende wirklich diese Qualifikation inne hat oder ob die Fragen seriös beantwortet wurden. Dennoch zeigt sich ein interessantes Bild zum Thema „Bleeder-Kit“. An der Umfrage haben 100 Personen teilgenommen. Ausführliche Gesamtergebnisse findet ihr hier: Survey-Monkey Umfrageergebnis

Qualifikation der Umfrageteilnehmer Qualifikation Etwas mehr als ein-drittel hat eine Ausbildung im Rettungswesen (Rettungsassistent oder Sanitäter), 14 Prozent haben sich vieles selbst beigebracht und 8 Prozent sind Neulinge in diesem Bereich. Das wird sich später auch in den Einzelantworten wiederspiegeln. Der Rest hat zumindest eine Basisausbildung oder erweiterte Ausbildung erhalten, drei Ärzte sind ebenso vertreten wie vier CFR-C. 18 Teilnehmer haben detailliert ihre Qualifikation angeben. Hier findet man einen bunten Mix an Qualifikationen und Kursen. Es zeigt sich die bedingte Aussagekraft der Umfrage. Es kann nicht nachvollzogen werden, wie fit die Teilnehmer trotz Qualifikation wirklich im Fachbereich der Trauma-Medizin sind. Ausreichen Bleederkit Die Mehrheit sieht das Bleeder-Kit als Ergänzung oder Bestandteil des IFAKs. Beide zusammen ergeben eine vollwertige Ausstattung. 15 Prozent wollen nur vollwertige IFAKs. 11 Prozent wiederum sehen ein Bleeder-Kit als ausreichend. Die Kommentare zeigen, dass ein Bleeder-Kit als EDC gesehen wird. Auf längeren Touren/Aufträgen und angepasst an Auftrag, Umwelt (sprich Land und Gefährdungslage) und mitgeführten Mitteln (Squad-Bag, BAT, etc.)   Critical BleedingAchtung, hier keine Prozentangaben, sondern Absolute Personenangeben. 7 Teilnehmer haben diese Frage übersprungen. Es waren mehrere Antwortmöglichkeiten möglich. Tourniquet und Notfallverband (Israelisches Bandage, OALES, etc.) sind die von der Mehrheit bevorzugte Kombination. Einen „Gerinnung-Beschleuniger“ halten 35 Personen für essenziell. Andere führen des weiteren normale Gauze, Kompressen und Verbandspäckchen mit. Immerhin: 6 Personen führen im Bleeder-Kit eine Klemme mit. In den Kommentaren bestätigt sich zum ersten mal die Vermutung, dass nicht nur Blutungsstoppende Mittel ( Critical Bleedings) mitgeführt werden, sondern auch Chest Seals oder Dreiecktuch (kann man natürlich auch zur Wundversorgung nutzen) TQEindeutiges Ergebnis: das CAT-Tourniquet ist das am meisten genutzte TQ. Nicht sonderlich überraschend. SOF, SOF-T Wide und das Nato TQ teilen sich das andere Drittel. 3 Prozent führen kein TQ mit (Warum?!), ein Teilnehmer gab an Paracord zum Abbinden zu nutzen. Ein Teilnehmer schreibt: „CAT ist Minimum, SOF-T wäre sinnvoll“ – so sehen wir das auch! Notverband Bei den Notverbänden gibt es auch hier klar ein Monopol auf dem Deutschen Markt: „Israeli Bandage“, „Emergency Bandage“ bzw. „Der Notverband“. Sowohl in der 15cm als auch in der kleineren 10cm Ausführung. Immerhin 13 Prozent setzen auf OALES Bandages mit integrierter Gauze. Das FEB 9 ist unbekannt oder wird nicht genutzt. Den Rest belegt das normale Verbandspäckchen, was im Packmaß die anderen definitiv schlägt. Außerdem wurde die Trauma Bandage von Tytek wegen der Einfachheit angegeben. Ebenso wie das „SP-Services“ T 4 bzw. T6 Dressing Pad. Airways Breathing Die nächste Frage sorgte für Diskussionen. In gewisser Weise ist es eine „Fangfrage“. 13 Personen haben die Frage ganz ausgelassen. Von den Restlichen 87 Personen haben viele bei Sonstiges darauf hingewiesen, dass Airways und Breathing nichts im Bleeder-Kit zu suchen haben und doch bitte ins IFAK gehören. Der Rest hat sich für die Standard A/B Mittel entschieden, nämlich Chestseal und Wendl-Tubus. Guedl-Tuben kommen vermutlich aus der Rettungssan/Ass Ecke. Dass manche einen Larynx/Endotracheal-Tubus im Bleeder-Kit mit sich führen, erstaunt. Ein Crync-Set wird immerhin von 6 Personen mitgeführt. 17 Personen führen zudem eine Dekompressionsnadel mit sich. 32 Personen wollen auf eine Beatmungsmaske nicht verzichten. Es handelt sich, wie angegeben aber nur um den „Gesichtsüberwurf“ als Schlüsselanhänger. Hier zeigt sich aber deutlich, dass sich nur 17 Personen aktiv gegen A und B Mittel im Bleeder-Kit aussprechen. Der Rest bricht mit den Statuten des Bleeder-Kits und macht ein abgespecktes IFAK daraus. Sonstiger Inhalt Der Hang zur Überpackung wird spätestens hier deutlich. Und so konnte man bei dieser Frage das Bleeder-Kit zum Platzen bringen. 61 Personen verzichten nicht auf eine Rettungsdecke im Bleeder-Kit. (Anmerkung: Wir tragen in jeder Feldhose eine Rettungsdecke mit uns. Linke Beintasche oder die Wadentaschen. Sie ist zudem Bestandteil des Survival-Kits) 53 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte haben eine Schere/Cutter dabei – sinnvolle Sache. Ebenso wie Gummihandschuhe. 39 Prozent also 30 Personen führen ein Knicklicht mit, ebenso wie Hämostyptika. Ein Drittel verzichtet nicht auf Schreibmaterial (Edding/Sharpie). Wirklich interessant sind mitgeführte Mittel wie Pinzette (11 Personen), Paracord (13 Personen), Desinfektionsmittel oder Alkohol/Jod-Pads (13 bzw. 14 Personen) oder ein Skalpell (7 Personen). 15 Personen packen ins Bleeder-Kit gleich Teile ihres „BooBoo-Kits“, sprich Medikamente. Medizinisch und Praktisch nichts „Falsches“ oder Nutzloses, aber fraglich bleibt, was es im Bleeder-Kit zu suchen hat? Der Ausbildungsstand ist dabei erstaunlich wenig aussagekräftig, was die Richtlinie der Bepackung angeht. Es gibt keinen einheitlichen Ausbildungstrend – lediglich im Bereich der CFR-C und B wird eher auf ein vollständiges IFAK gesetzt, als auf ein Bleederkit. Ein Arzt wollte nicht auf sein Skalpell verzichten. Spätestens hier wird klar, dass das Bleeder-Kit in der Praxis wohl eher als abgespecktes IFAK genutzt wird. Diese Vermutung wurde bestätigt. Die Umfrage sollte niemanden bloßstellen oder diffamieren. Sie sollte die Definitionslücken bzw. Unklarheiten der Bezeichnungen aufzeigen. Für die Mehrheit ist ein Bleeder-Kit ein abgespecktes IFAK. Es wird zudem gerne „überpackt“. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen was er mitführt, wieviel und von welcher Qualität. Entscheidend ist die Ausbildung des Ersthelfers, eine klare Absprache innerhalb des Teams, deutliche Kennzeichnung und regelmäßiges Training mit den Materialien. Dennoch sollte man sich auf die Worte: „Keep it simple and stupid“ besinnen. Weniger ist oft mehr.

IMG_5605Blow-Out-IFAK mit TQ-Pouch am Schießgürtel

Bleeder-Kit: Nur Abdecken der Critical Bleedings und Bleedings. 1st Line (Blow-Out-Kit: Ein abgespecktes, minimalistisches IFAK) IFAK: Individual First Aid Kit bzw. Improved First Aid Kit. Deckt A/B/C/D/E Bereiche ab. 1st oder 2nd Line. BooBoo-Kit: Weh-Wehchen Kit für den Kopfschmerz, eingerissene Fingernägel oder zur Blasenversorgung. Das hat grundsätzlich nix in der 1st oder 2nd Line zu suchen. Wo das Bleeder-Kit nun getragen wird, hängt natürlich stark von Auftrag und Umwelt ab. Hier gibt es keine Patentlösung und die persönliche Präferenz entscheidet.   Vielen Dank für die Teilnahme! Bleibt wachsam und helft einander.

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